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Die elektronische Gesundheitskarte ist Geschichte

Die elektronische Gesundheitskarte ist Geschichte

Erneute Probleme mit der elektronischen Gesundheitskarte: Das System gilt als veraltet und muss schnellstens überarbeitet werden. Der Patient muss dabei Herr seiner Daten bleiben. Die Bundesärztekammer forderte einen kompletten Neustart.

Die Digitalisierung hat die Entwicklung der Gesundheitskarte längst überholt.

eGK nicht mehr zeitgemäß

Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery forderte eine komplette Neukonzeption der elektronischen Gesundheitskarte. Das System sei veraltet, ein neues Konzept muss her. Die Grundlage der Gesundheitskarte entstand zu einer Zeit, in der die Versicherten nicht einmal Smartphones kannten. Deshalb konnte die konzeptionelle Entwicklung der Karte mit der Digitalisierung nicht mehr Schritt halten. Die Entwicklung von Funktionen, die über die Basisdaten der Versicherten hinausgehen, hat sich festgefahren. Es kann nicht als zeitgemäß betrachtet werden, dass diese Karte nur in Praxen und Kliniken ausgelesen werden kann. Mittlerweile und im Zuge zeitgemäßen Datenschutzes müssen Patienten selbstständig und jederzeit Zugang zu ihren persönlichen Daten haben.

Eine Gesundheitsakte für alle

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt hingegen auf komplett neue Konzepte, bei denen die Gesundheitskarte nur ein Bestandteil möglicher Angebote ist. Bürger sollen zwischen verschiedenen Möglichkeiten ihrer Datenverarbeitung wählen können. Kern aller Angebote ist eine elektronische Gesundheitsakte, auf die auch via Apps über Smartphones, über Onlineportale und über Terminals zugegriffen werden kann. Diese Gesundheitsakte sollte sowohl so transparent als auch so sicher sein, wie auch das eigene Bankkonto.

Kanzlerin unterstützt die Gesundheitsakte

Nach der parlamentarischen Sommerpause sollen für die Entwicklung und Etablierung eines sicheren Datennetzes für das Gesundheitswesen konkrete Pläne vorgestellt werden. Neue, digitale Gesundheitslösungen könnten bereits gemeinsam mit dem geplanten Bürgerportal koordiniert werden. Auch Kanzlerin Merkel würde diesen Vorschlag unterstützen. Sie hatte bereits eine „konsequente Digitalisierung“ der Verwaltung gefordert, die mit der geplanten Gesundheitsakte kompatibel sei. Auch nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz wäre ein derartiges zentrales Angebot für Patienten von hohem Nutzen. Wichtig wären jedoch, bei Konzepten auch alte, schwerstkranke und pflegebedürftige Menschen nicht auszuschließen. Wichtig wäre auch die Datenhoheit des Staates sowie Datenschutz und -sicherheit auf höchstem Niveau.

Montgomery fordert pragmatische Lösungen

Der Datenschutz in Deutschland ist aber immer wieder auch Kritik ausgesetzt. Montgomery beklagte einen rigorosen Datenschutz, der auch das Gesundheitssystem trifft und lähmt. So kann es nicht zu den Aufgaben niedergelassener Ärzte gehören, ihre Patienten über Datenschutzbelange aufklären zu müssen. Anstatt den Datenschutz zu übertreiben, müssten pragmatische Lösungen her.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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