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Die Angst vor der Hochstapelei

Die Angst vor der Hochstapelei

Vor psychologischen Minderwertigkeitskomplexen ist niemand gefeit. Je stärker die Anforderungen im Beruf, umso wahrscheinlicher kommt die Angst, Kollegen könnten merken, dass man ja eigentlich überhaupt nichts kann. Diese Angst, schlechter zu sein, als man tatsächlich ist, wird als „Hochstapler-Syndrom“ bezeichnet.

Dieses Phänomen der Psychologie lässt sich jedoch leicht überwinden – soweit man es kennt.

Zweifel an tatsächlicher Leistung

Erfolg ist nicht nur wirtschaftlich gut, sondern steigert in der Regel auch das persönliche Selbstbewusstsein. Erfolg ist immer auch eine Bestätigung für die eigene Persönlichkeit und Kompetenz. Oder sollte es sein. Denn Studien haben erwiesen, was viele bereits ahnten: nämlich dass auch Glück, gute Beziehungen und häufig ganz einfach der Zufall für den persönlichen Erfolg ausschlaggebend sind. Wenn dann noch an den eigenen Leistungen zweifelt, steckt schnell drin. Im Impostor- oder auch Hochstapler-Syndrom.

Abhilfe tut Not

Rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer sollen unter diesem Phänomen leiden und bremsen damit ihre Produktivität selbst aus. Dementsprechend sollte das Syndrom auch durchaus ernst genommen werden. Denn damit verbunden ist durchaus ein gewisser Leidensdruck: Der Stresslevel am Arbeitsplatz kann sich unter Umständen ins unermessliche steigern. Das Gefühl, die eigene Unfähigkeit vertuschen zu müssen, drückt aufs Gemüt. Abhilfe tut spätestens in diesen Momenten Not.

Der tägliche Wettbewerb

Studien belegen, dass besonders Frauen für das Hochstapler-Syndrom anfällig sind. Je erfolgreicher diese Frauen sind, umso größer die Gefahr, Opfer des Syndroms zu werden. Vermutlich aufgrund der patriarchalischen Ungleichberechtigung zwischen Mann und Frau schätzen viele Frauen ihre eigenen Leistungen häufig geringer ein, als Männer dies tun. Und werden täglich daran erinnert, sich mit den Leistungen der Arbeitskollegen messen lassen zu müssen.

Früheste Prägungen

Aber auch Männer, die sich im Job engagieren, sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und zur beruflichen Perfektion neigen, sind in Gefahr. Die Erziehung kann dafür die Basis bilden; wenn Kinder vor Dritten überaus gelobt und begeistert überhöht werden – diese jedoch bereit in der Lage sind, die Lobhudelei zu durchschauen und sich in der überhöhten Beschreibung nicht erkennen können.

Ursachenforschung als Selbsttherapie

Therapien für das Hochstapler-Syndrom gibt es derzeit nicht, schließlich handelt es sich nicht um einen ständigen, sondern um einen temporären Gemütszustand. Gefährlich sind dabei Momente der Anspannung. Neben einer professionellen Hilfe kann bereits die Unterstützung aus dem Freundes- und Familienkreis etwas bringen. Ein Ansatz, dieses Syndrom zu überwinden, ist nach Ansicht von Fachleuten eine konkrete Ursachenforschung. Wichtig ist es dabei, sich so objektiv wie möglich mit den Themen Erfolg und Misserfolg, Siege und Rückschläge zu beschäftigen. Dann fällt schnell auf, dass eigentlich überhaupt kein Grund für Unsicherheiten besteht.

Denkschablonen durchbrechen

Denn überwiegend haben die Menschen mit diesem Syndrom, auch das haben Studien bewiesen, eigentlich überhaupt keinen Grund, unter diesen Minderwertigkeitskomplexen zu leiden. Dieser Mangel an Selbstbewusstsein liegt an einem Mangel an Selbstwahrnehmung, was dazu führt, dass Misserfolge als persönliche Mankos empfunden werden. Wer dieses Denkschema durchbricht, kann sich durchaus selbst heilen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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