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Der Pool als Kooperation mit Zukunft

Der Pool als Kooperation mit Zukunft

Die zunehmenden Regulierungen und Verordnungen machen des Maklers Leben schwer. Zahlreichen Einzelunternehmen geht dabei das Tagesgeschäft verloren. Kooperationen scheinen für manche als „Rettungsboot“ in der Not.

Doch allzu blauäugig sollten sich bisherige Einzelkämpfer nicht auf Partnerschaften mit Kollegen einlassen.

Mehr Arbeit bei weniger Zeit und Geld

Die zunehmenden beruflichen und rechtlichen Regulierungen nehmen viel Zeit in Anspruch und kosten auch erhebliche Verwaltungskosten. Für Einzelunternehmer der Vermittlerbranche wird es immer schwieriger, diese zeitlich wie finanziell zu stemmen. Eine Zusammenarbeit mit Kollegen in Kooperationen und Arbeitsgemeinschaften bietet sich dabei an und versprechen Arbeitsteilung und Entlastung. Spätestens, wenn diese Gemeinschaft in der Gründung einer ordentlichen Gesellschaft mündet, sind existenzielle Voraussetzungen zu beachten.

Partnerschaften müssen abgewogen sein

Denn meistens sind es die Vorteile, die von den Risiken ablenken. Die stärksten Argumente liegen im gemeinsamen Auftreten. Wenn zwei sich eine eigene Webseite und ein gemeinschaftliches Büro teilen, können auch die Kosten geteilt werden. Auch die gemeinsame Urlaubs- und Krankheitsvertretung wirkt verlockend – nicht zuletzt der Austausch von Erfahrungen, Kontakten und Beziehungen zu Gesellschaften und Kunden.

Angst vor „Abwerbung“

Auf der anderen Seite stehen die Risiken, die nicht selten zu Misstrauen und Streit zwischen den Partnern führen können: Die berufliche Eigenständigkeit wird eingeschränkt, die Haftung bei wettbewerbsrechtlichen und datenschutzkonformen Verstößen muss geteilt werden und im schlimmsten Fall haftet der Partner sogar für Beratungsfehler. Schließlich und nicht zuletzt steht auch immer das Thema „Abwerbung“ im Raum: besonders wenn sich ein Kunde nach einer Vertretung für „den anderen“ Partner als persönlichen Ansprechpartner entscheidet.

Schlechte Erfahrungen bleiben unvergessen

In manchen Fällen scheuen sich erfahrene Makler, sich mit dem Thema der Berufspartnerschaften auseinanderzusetzen, da schlechte Erfahrungen lange unvergessen bleiben. Jens Reichow, der selbst Partner einer Rechtsanwaltskanzlei ist, rät im versicherungsjournal, stets die vorhandenen Vorteile mit den eventuellen Nachteilen abzuwägen. Reichow rät zur Gründung einer Gesellschaft in Kooperationsform. Dabei lässt sich die Haftung für Beratungsfehler begrenzen – aber die Eigenständigkeit und das eigene Recht am Bestand geht verloren. Auch sollte man seinen Gesellschafter sehr genau auswählen – denn so schnell auch eine Gesellschaft gegründet ist, umso schwieriger gestaltet sich die Auflösung. Denn wenn der Makler Mitgesellschafter hat, ist es nicht mehr die „eigene“, sondern nur noch eine Firma mit eigenen Gesellschaftsanteilen.

Pools als Alternative zu Gesellschaften

Um Verwaltungskosten zu teilen, empfiehlt sich als Option die Kooperation mit Pools bzw., bei Deckungskonzepten. Hier besteht ein regelmäßiger Austausch mit Berufskollegen, die Haftung für Dritte fehlt und die weitgehende Eigenständigkeit und Flexibilität bleibt erhalten. Allerdings besteht kein gemeinschaftlicher Marktauftritt und das Bestandsrecht geht teilweise verloren. In Pools ist es auch leichter, eigene Spezialisierungen oder „Nischen“ zu finden. Ein Generalist hat es zunehmend schwerer, die wachsenden Anforderungen durch Regulierungen und Digitalisierung zu schultern. Wer sich spezialisiert, muss sehr genau den Markt und seine disruptiven Entwicklungen beobachten.
In einem großen Pool ist es leichter, eigene Bahnen zu schwimmen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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