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Dein Mann ist nicht deine Rente – Altersarmut bei Frauen

Dein Mann ist nicht deine Rente – Altersarmut bei Frauen

Altersarmut ist in Deutschland ein stetig wachsendes Problem. Vor allem Frauen sind von der Altersarmut betroffen. Sie haben ein 4,2% höheren Risiko im Alter unter Armut zu leiden als Männer.

Die Gründe dafür liegen in unterbrochenen Erwerbsbiographien und hohen Teilzeitquoten auf Grund der Kindererziehung. Zudem werden Frauen häufiger im Niedriglohnsektor beschäftigt als Männer.

Geringere Lebensarbeitszeit

Männer haben eine durchschnittliche Lebensarbeitszeit von 39 Jahren, während Frauen lediglich 26 Jahre in ihrem Leben arbeiten. Außerdem besteht in Deutschland eine bereinigte Einkommenslücke von fast acht Prozent – was im Durchschnitt 280 Euro Gehalt pro Monat sind – zwischen Männern und Frauen.

Dass Frauen weniger arbeiten liegt im Großteil der Fälle daran, dass sie Kinder erziehen. In Deutschland sind fast 80 Prozent der Männer in einer Familie die Hauptverdiener. Frauen nehmen sich meist eine Auszeit aus ihrem Beruf und steigen, nachdem die Kinder aus dem Kleinkindalter raus sind, auch vorerst nur in Teilzeit wieder ein oder haben sogar nur einen Minijob.

Kein Anspruch auf Unterhalt

Viele verlassen sich auf ihren Partner und zahlen nicht weiter in ihre Altersvorsorge ein. Jedoch wird in Deutschland fast jede zweite Ehe geschieden und durch die aktuelle Gesetzeslage verlieren Frauen schnell den Anspruch auf Unterhalt. Haben Frauen während der Ehe in keine eigene Altersvorsorge eingezahlt, sind die Ansprüche auf eine gesetzliche Rente mit 67 sehr gering, selbst wenn sie anfangen würden nach der Scheidung Vollzeit zu arbeiten.

Ein weiteres Risiko bergen die Steuerabgaben und Berufschancen nach einer Scheidung. Ein alleinerziehendes Elternteil wird in etwa so besteuert wie ein Single. Dazu kommt, dass obwohl 90 % der Frauen angeben, dass sie sehr motiviert sind zu arbeiten, es für sie fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, einen Job zu finden. Laut einer Statistik vom Institut für Arbeits- und Berufsforschung sind Frauen mit einem Kind, das jünger als drei Jahre ist, schwerer zu vermitteln als jemand ohne Ausbildung und Deutschkenntnisse. Auch die Tatsache, dass Frauen mit Kindern bis zu 50 Tage fehlen können, wenn die Kinder krank sind, ist ein Ausschlusskriterium für viele Personaler.

Finanzdienstleister für Frauen

Aus all diesen Gründen haben sich Finanzdienstleister mit einem starken Fokus auf Frauen gegründet. Da der Finanz- und Versicherungsbereich immer noch vorwiegend mit Männern besetzt ist, fehlt häufig das Verständnis für die spezielle Situation von Frauen.

Zwar sind die Produkte der Versicherungen geschlechtsneutral konzipiert, jedoch fehlt den Beratern oft das nötige Feingefühl und die Sensibilisierung auf das Thema Altersarmut bei Frauen. Deswegen hat sich der in Köln ansässige Frauenfinanzdienst vor 30 Jahren gegründet.

Der Frauenfinanzdienst sagt von sich selbst, dass sie „bewusst nicht neutral“ sind, sondern „auf der Seite der Frauen“ stehen. Sie sehen das größte Problem darin, dass Frauen nicht für ihr eigenes Recht einstehen, sondern Konflikten aus dem Weg gehen um die Kinder zu schützen oder die Beziehung nicht zu gefährden.

Je früher, desto besser

Dabei fordern die Beraterinnen vom Frauenfinanzdienstleister keine speziellen Produkte, sondern dass neue, passendere Produkte entwickelt werden. Produkte die für Frauen, die für ihre Familie nicht Vollzeit oder gar nicht arbeiten, eine ertragreiche Altersvorsorge darstellen. Sie betonen auch, dass es hier nicht darum geht den Mann zu verteufeln, sondern den Frauen zu helfen, dass sie selbstsicherer und etwas egoistischer auch die eigene Zukunft absichern.

Je früher man anfängt mit dem sparen, desto weniger muss man pro Monat zurücklegen. Das ideale Alter mit einer Altersvorsorge anzufangen sind 20 Jahre, wer mit 20 noch kein geregeltes Einkommen hat, der soll damit anfangen, sobald er dieses bekommt.

1 Kommentar

  1. Ein sehr lesenswerter Beitrag. Hier kann die individuelle Altersarmut-Gefahr im kostenlosen Selbsttest geprüft werden: check.sovd.de

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