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Corona-Krise verleitet zu Versicherungsbetrug

Corona-Krise verleitet zu Versicherungsbetrug

Eine aktuelle Studie vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V GDV hat ergeben, dass die derzeitige Corona-Krise den Betrügern einen Auftrieb gibt. Die deutschen Versicherer befürchten nun, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu mehr Betrugsversuchen führen wird.

„Es gibt Hinweise darauf, dass betrugsverdächtige Schäden im Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen. Die Versicherungsbranche ist darauf vorbereitet“, sagte GDV-Experte Rüdiger Hackhausen am Donnerstag in Berlin. Diese Entwicklung zeige sich nicht nur im privaten Bereich, sondern auch im gewerblichen. Als Beispiele für betrugsverdächtige Schäden nannte er angebliche Einbrüche, bei denen Saisonware wie etwa Sommerbekleidung gestohlen worden sein soll, die offenbar nicht habe verkauft werden können.

Der Vorsitzende der Kommission Kriminalitätsbekämpfung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft schildert ein weiteres beliebtes Beispiel für einen Betrugsfall: gemeldete Schäden an neuen elektronischen Geräten wie Fernsehern.

Dieser Schaden deute häufig darauf hin, dass das Gerät per Kredit finanziert wurde, der Verbraucher die Raten aber nicht mehr bezahlen konnte. „Aufgrund finanzieller Notlagen könnte es eine Zunahme von ‚Gelegenheitsbetrügern‘ geben“, sagte auch der Kölner Fachanwalt für Straf- und Arbeitsrecht, Abdou Gabbar, der sich auch mit Betrugsmotiven und Täterprofilen beschäftigt.

Den Experten zufolge haben sich die Motive im Laufe der Zeit kaum verändert – ihre Methoden hingegen schon. Internet und Digitalisierung führten zu neuen Betrugsformen und vereinfachten die Informationsbeschaffung für die Täter. In Internetforen könne man sich zum Beispiel mit nur ein paar Klicks darüber informieren, wie eine Schadenmeldung so glaubhaft formuliert werden kann, dass der vermeintliche Schaden von einer Versicherung bezahlt wird.

„Die Betrugsabwehr der Versicherer hat darauf reagiert, beispielsweise durch die Weiterentwicklung von Software zur Erkennung von Betrugsindizien oder den Einsatz speziell geschulter Mitarbeiter“, sagte Hackhausen. Bei der Betrugsabwehr gewinne die Bildforensik immer mehr an Bedeutung. Denn mit Bildbearbeitungsprogrammen könnten Betrüger digitale Fotos manipulieren oder im Internet kursierende Bilder nutzen. Diese würden dann als visueller Schadensnachweis vorgelegt. „Die Versicherer können beispielsweise die Metadaten auswerten und erkennen, ob ein Foto manipuliert wurde“, sagte Hackhausen.

Durch Versicherungsbetrug entsteht den Versicherern in der Schaden- und Unfallversicherung laut Branchenschätzungen ein Schaden von rund fünf Milliarden Euro im Jahr. Es wird davon ausgegangen, dass jede zehnte Schadenmeldung dubios ist. Bestätigt wird diese Vermutung unter anderem von einer aktuellen repräsentativen infas quo-Umfrage zum Versicherungsbetrug im Auftrag des GDV. Hierbei geben 10% der Befragten zu, dass sie schon einmal einen Versicherungsbetrug begangen haben oder aber konkret von einem Versicherungsbetrug wissen.

Projektleitung für den Finanz- und Versicherungsverlag

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