Progressiv

Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps

Einige Krankenkassen versprechen Vorteile und Vergünstigungen, doch Verbraucher- und Datenschützer warnen und versuchen zu reglementieren: Werden Gesundheits-Apps und Fitness-Armbänder zu Überwachungsmodulen?

Bereits jeder dritte Deutsche überprüft seine vitalen Werte anhand von Apps, Fitness-Armbändern oder SmartWatches. Dadurch werden technischen Geräten persönliche Daten wie Schlafdauer, Blutdruck, Bewegungsprofile und weitere Gesundheitsdaten anvertraut. Ein Trend mit steigender Tendenz, wie sich die Krankenkassen sicher sind. Befinden wir uns also bereits mitten im Zeitalter der digitalen Vermessung des Menschen? Nicht, wenn es nach Verbraucher- und Datenschützern sowie Patientenvertretern geht. Die warnen nämlich sowohl vor der vermeintlichen Naivität der aktiven Nutzer, als auch vor den drohenden Nachteilen aller anderen, die sich diesem Trend noch verschließen. Trotzdem warnt Justizminister Heiko Maas, dass der Mensch nicht zu einem Objekt eines Algorithmus werden darf – und nutzt als begeisterter Triathlet selbst sogenannte „Wearables“. Seine Daten werte er ausschließlich an seinem privaten PC aus und würde diese nie Dritten zur Verfügung stellen.

Ein Drittel der Patienten will mitmachen

Laut aktueller Studie des IT-Verbands Bitkom sind andere Bürger wesentlich großzügiger als der Minister. Demnach wäre rund ein Drittel der Deutschen bereit, ihre Daten der Krankenkasse zur Verfügung zu stellen, um im Gegenzug Ermäßigungen, Prämien und Rabatte zu erhalten. Selbstverständlich auf freiwilliger Basis – von etwas anderem war seitens der Versicherungsgesellschaften aber auch nie die Rede. Generali kündigte als einer der ersten Anbieter an, im Rahmen seiner Berufsunfähigkeitsversicherung Daten zu Fitnes und Lebensstil seiner Kunden auf freiwilliger Basis zu sammeln. Die TK plant die Etablierung einer digitalen Patientenakte, in der unter anderem auch Daten aus Fitness-Trackern enthalten wären. Damit könnte bereits im Vorfeld und außerhalb der Arztpraxis über Risiken möglicher Erkrankungen informiert werden. Denn neben der traditionellen Krankheits-Biografie würden weitere Daten wie der Puls, Herzfrequenzen und Bewegungsprofile zur Verfügung stehen, die dann gemeinsam analysiert werden können.

Mit Gesundheits-Apps zur digitalen Patientenakte

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz kritisiert, dass nur gesunde und fitte Menschen von den Rabatten profitieren können. Alle anderen und jene, die nicht mitmachen, würden schnell identifiziert, diskriminiert und benachteiligt werden. Wenn alte und kranke Menschen die Verlierer seien, würde das Solidarsystem der gesetzlichen Krankenkassen auf den Kopf gestellt werden. Momentan hapert es aber wohl auch noch an der Qualität der angebotenen Fitness-Tracker. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest ergab, dass von zwölf getesteten Fitness-Armbändern lediglich zwei mit dem Qualitätsprädikat „gut“ ausgezeichnet wurden. Bis zum „gläsernen Patienten“ ist es also noch ein langer Weg.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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