Progressiv

Bundesregierung: Keine Regulierung von Vergleichsportalen beabsichtigt

Vergleichsportale im Internet gaukeln den Verbrauchern vor, aus einer unübersichtlichen Vielzahl von Anbietern die besten und preisgünstigsten Angebote zu finden. Eine praktische und zeitsparende Alternative gegenüber der aufwendigen Eigeninitiative, wie viele meinen. Rund 55 Prozent aller Verbraucher halten derartige Portale, die es bereits für fast alle Branchen gibt, für unabhängig und verbraucherfreundlich, wie eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes YouGov Deutschland AG behauptet.

Ausgerechnet bei Finanz- und Versicherungsprodukten glauben 47 Prozent, dass Vergleichsportale aufgrund der Vergleichsvielfalt unterschiedlicher Gesellschaften besonders objektiv und unabhängig sein müssten. Allerdings sind viele dieser Portale genau das Gegenteil. Dass sich zahlreiche Vergleichs- und Bewertungsportale als Vermittler über Provisionen finanzieren, können viele Verbraucher nicht erkennen. Ebenso fällt vielen nicht auf, dass diese Portale ausschließlich nur Anbieter vergleichen, die diese Provisionen auch zahlen – alle anderen werden überhaupt nicht, oder aber nur sehr unrepräsentativ verglichen. Eine objektive Marktanalyse ist also vielfach überhaupt nicht gegeben; auch wenn davon viele Nutzer fest ausgehen. Problematischer wird es dabei noch, wenn einige Portale suggerieren, dass es sich bei ihren Diensten um „neutrale Verbraucherinformationen“ handelt.

Grüne fordern mehr Transparenz von Vergleichsportalen

Die Grünen fordern deshalb mehr Transparenz von Vergleichsportalen wie Check24, Verivox und anderen. Die Grünen-Politiker Nicole Maisch, Renate Künast und Konstantin von Notz wollten deshalb in einer „kleinen Anfrage“ vom Bundestag wissen, wie Verbraucher hier besser vor Irreführung geschützt werden könnten. Eine Prüfung der Stiftung Warentest von Stromvergleichsportalen ergab, dass lediglich vier von elf Stromtarifrechner verlässliche Zahlen liefern würde. Der ÖKO-TEST Verlag prüfte Autoversicherungsportale und warnte vor Zufall, Willkür und Verbrauchertäuschung. Aber selbst von „dynamischen Preisen“ ist die Rede: Auf Basis erfasster Daten und vorhandener Nutzer-Profile lassen sich Kaufverhalten und Solvenz der Nutzer vorhersagen und Preise entsprechend anpassen. Dies führt dazu, dass zwei verschiedene Verbraucher im selben Portal, zum selben Zeitpunkt dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Preisen angeboten bekommen – je nachdem, wie diese von der Software eingestuft werden.

Bundesregierung winkt ab

Die Bundesregierung gibt sich jedoch unbeeindruckt und erkennt weder Möglichkeiten, noch eine Pflicht zur Regulierung zweifelhafter Vergleichsportale. Begründet wird dieses Desinteresse mit der Informationsfreiheit der Verbraucher: So stehe es jedem Nutzer frei, ob Informationen entsprechender Portale, Angebote einzelner Anbieter oder die eigene Recherche auf der individuellen Kaufentscheidung basiert. Zur Nutzung von Vergleichsportalen würde kein Verbraucher gezwungen werden. Außerdem hätte man auch die Möglichkeit, bei bewusst falschen Informationen und qualifizierten Beschwerden gegen die Anbieter zu klagen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.

Send this to a friend