Produktiv

Bonus-Anreize für Angestellte?

Bonus-Anreize für Angestellte?

Gegner des Leistungsprinzips führen immer wieder an, dass sich Leistung nicht durch finanzielle Anreize steigern lässt. Verhaltensforscher haben nun herausgefunden, dass dies doch der Fall ist: Wenn Boni ausgelobt werden, arbeiten Menschen nicht nur schneller, sondern auch effektiver.

Gerade bei kreativen und komplexen Aufgaben haben bisher sogar Psychologen solche Effekte ausgeschlossen.

Schnelle Lösungen durch finanzielle Anreize

Verhaltensforscher der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität haben durch einen sehr praktischen Feldversuch bewiesen, wie sich Bonusaussichten auf die lösungsorientierte Teamarbeit auswirkt. Die Resultate überraschen selbst Fachleute. Bei dem Experiment handelt es sich um sogenannte Escape-Games, denen sich die Teilnehmer stellen mussten. Dabei haben Teams innerhalb einer Stunde Lösungen finden müssen, die in Geschichten, Bildern und Zahlenrätsel verborgen wurden. Es ging bei dem Versuch um die Frage, ob die teilnehmenden Gruppen schneller die Lösungen ermittelten, wenn dafür ein finanzieller Bonus ausgelobt wird.

Bonus wirkt auch bei kreativen Aufgaben

Im Bereich des Managements wurde bisher davon ausgegangen, dass finanzielle Anreize lediglich bei routinierten Aufgaben wirken und Sinn haben. Eine Effektivität bei komplexen und kreativen Aufgaben wurde bisher ausgeschlossen, da das Unterbewusstsein und der Intellekt eigentlich durch keinerlei äußeren Anreizen mehr zu Leisten vermag. Selbst die psychologische Fachliteratur hielt derartige Effekte bisher für ausgeschlossen.

Finanzielle Anreize wirken

Die Münchener haben dennoch einen Teil ihrer Probanden versprochen, 50 Euro auszuzahlen, wenn die vorgelegten Aufgaben innerhalb von 45 Minuten gelöst werden würden. Der andere Teil der Studiengruppe, die überwiegend aus Studenten bestand, sollten ohne Bezahlung lösen. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Mehr als doppelt so viele Teams der durch Boni motivierten Gruppe lösten die Aufgaben innerhalb des Zeitrahmens.

„die Ehre“ gibt es umsonst

Die Verhaltensforscher nehmen an, dass Menschen, denen finanzielle Anreizen zu Höchstleistungen verlocken, fokussierter an Aufgaben und Problemlösungen herangehen. Wenn Geldanreize im Vordergrund stehen, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, dass ein Teammitglied die Initiative ergreift und Strategien vorschlägt. Auch die Bereitschaft, sich im Team zu engagieren, steigt deutlich an. Dem anderen Team, bei dem es lediglich um „die Ehre“ ging, schien im Gegensatz wesentlich unmotivierter zu sein.

Weitere Versuche erwartet

In weiteren Schritten wollen die Forscher nun Unternehmen finden, bei denen ähnliche Tests in realistischer Atmosphäre machbar sind. Unklar scheint nämlich noch, ob dieser Boni-Effekt dauerhaft wirkt. Denn ob das Konzept des Team-Boni funktioniert, hängt auch von den definierten Zielen ab: Sollen alle Teammitglieder gleichberechtigt an der Lösungsfindung beteiligt werden oder haben schnelle Ergebnisse oberste Priorität? Bereits jetzt scheint jedoch klar, dass ein leistungsorientiertes Boni-Prinzip nicht nur im Management, sondern auch in unteren Beschäftigungssegmenten sinnvolle Anwendung findet.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.

Send this to a friend