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Bereits Kleinkinder erkennen Führungsstrukturen

Bereits Kleinkinder erkennen Führungsstrukturen

Das hierarchische Rollenverständnis ist Grundlage für den Betriebsfrieden und Grundlage für Arbeitsstrukturen. Wissenschaftler wollen jetzt erwiesen haben, dass bereits Heranwachsende in der Lage sind, Gruppenführung zu erkennen und zu erwarten.

Beziehungssysteme sind demnach Bestandteil menschlicher DNA.

Zwischen Stärke und Kompetenz

Bereits unter Naturvölker bilden sich Rangunterschiede zwischen einzelnen Gruppenmitgliedern aus, wofür Evolutionspsychologen auch eine passende Erklärung haben. Denn eine funktionierende, homogene und in sich geschlossene Gruppe ist ein Garant für erfolgreiche Vorhaben. Führungspersönlichkeiten sind in der Lage, ideale Gruppenlandschaften zu bilden und die einzelnen Bestandteile einer funktionierenden Gruppe sinnvoll zu koordinieren. Je kompetenter die Führungspersönlichkeit ist, umso koordinierter werden Störungen beseitigt und Fehlverhalten einzelner sanktioniert.

Macht für die Masse

Führungspersönlichkeiten archaischer Strukturen sind meistens die Stärkeren, die sich durch Gewalt bei den Schwächeren durchsetzen können. In heutigen, modernen Gesellschaften werden meistens die kompetenteren Personen zu Führungskräften – in Firmen aufgrund beruflicher Kompetenz und Erfahrung, in Interessengemeinschaften und Gruppen eher Personen, die durch Ansehen und Respekt unter den anderen Kompetenz genießen. Führungspersönlichkeiten wird das Recht zugeschrieben, uneigennützig Macht auszuüben und für Gerechtigkeit zu sorgen.

Einblicke in die Gedanken junger Heranwachsender

Wissenschaftler der University of Illinois at Urbana-Champaign wussten, dass nicht nur Erwachsene von Führungspersonen erwarten, interne Regelverstöße in sozialen Gruppen zu unterbinden. Doch wie früh in der menschlichen Kindheitsentwicklung bildet sich diese Erwartungshaltung heraus? Dazu wurde mit 120 Kleinkindern im Alter von 17 Monaten eine Studie durchgeführt, die Einblicke in die Gedankenwelt junger Heranwachsender bot.

Irritierende Blicke

Dazu wurden die Blicke der jungen Probanden nach bestimmten Ereignissen erfasst. Da Kinder wesentlich länger als Erwachsene Ereignisse beobachten, lassen sich dadurch Erkenntnisse ihrer Gedankenwelt gewinnen. Grundlage dieser Testreihe waren kurze Rollenspiele mit Puppen. Es wurden den Kindern Szenen zwischen einem Anführer und zwei untergeordneten Puppen vorgespielt. Die Szene unterschieden sich: die Anführer-Puppe gab den beiden anderen Spielzeuge, die diese unter sich aufteilen sollten; mit jeweils unterschiedlichen Ergebnissen. Mal folgten die beiden Puppen dem Anführer, mal ignorierten sie der Anweisung zu teilen. Sobald der Anführer das Fehlverhalten der beiden anderen Puppen ignoriert, schienen die kleinen Probanden mit ihren Blicken verwundert.

Überraschungen beim Puppenspiel

Laut den Wissenschaftlern deutet dieses Verhalten auf die Erwartungshaltung der Kleinkinder, dass der Anführer entschieden in die Situation eingreifen müsste und die vermeintliche Ungerechtigkeit korrigiert. Die Weigerung der beiden Puppen sich der Anführer-Puppe unterzuordnen, sorgte für sichtliche Überraschung. Ebenso überrascht zeigten sich die Probanden, wenn der vermeintliche Anführer diese Fehlverhalten ignorierte. Aber auch wenn einer der beiden Puppen äußerte, nicht mitspielen zu wollen und der Anführer dennoch darauf bestand und dieser Puppe ein zu teilendes Spielzeug aufzwang, empfanden die Probanden dieses Konsequenz als Ungerecht.

Grundlage späterer Erziehung

Für die Studienautoren ist dieser Test der Beweise, dass bereits Kinder im Alter von 15 Monaten über ein komplexes Verständnis für soziale Hierarchien und Machtstrukturen verfügen. Kleinkinder haben durchaus genaue Vorstellungen und Erwartungen, wie sich Führungspersonen innerhalb einer Gruppe verhalten sollte. Was wiederum eine wichtige Grundlage für die spätere Erziehung ist.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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