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Ausverkauf der Lebensversicherungskunden?

Ausverkauf der Lebensversicherungskunden?

Nun also auch die Generali. Nach einem Medienbericht erwägt nun auch der Generali-Konzern den Verkauf seines gesamten Lebensbestandes. Offensichtlich haben sich die Versicherer vom Konzept der Lebensversicherungen verabschiedet – zum Leidwesen der Versicherungskunden.

Der BdV sieht hinter der Gesamtentwicklung massive Vertrauensverluste in das Produkt Lebensversicherung.

Unterdrückung von Kundenansprüchen?

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) plant der Generali-Konzern den Verkauf seines gesamten Lebensversicherungsbestandes an die Viridium-Gruppe, die sich auf Abwicklung von Lebensversicherungsbeständen spezialisiert hat. Der Bund der Versicherten e.V. (BdV) befürchtet Abwicklungen zum Nachteil der Versicherungskunden. Der BdV geht davon aus, dass bei diesen Bestandsübertragungen Gelder, die eigentlich den Kunden gehören, nicht weitergegeben werden. Dazu würden sowohl Bewertungs- und Zinszusatzreserven gehören, wie auch kollektive Rückstellungen für Beitragsrückstellungen (RfB), freie RfB sowie für Mittel aus dem Schlussüberschussanteilfonds.

Kaum Überschüsse für Versicherte

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV, sieht hier die große Intransparenz als Problem. Wenn Versicherte millionenfach von ihren Vertragspartnern zu einer Ware degradiert werden und sie überhaupt nicht mehr nachvollziehen können, ob sich fair an den Geldern beteiligt werden, kommt dies einem „Sündenfall“ im Vertrauensverhältnis zwischen Versicherten und Versicherern gleich. Der BdV befürchtet deshalb, dass die beteiligten Unternehmen alle Möglichkeiten trickreich ausschöpfen werden, die betroffenen Verbraucher möglichst schlecht mit Überschüssen zu bedienen.

Alibi-Argumente bereits durchschaut

Das bei Run-Offs häufig verwendete Argument der Kosteneinsparungen durch eine verschlankte Verwaltung, hält Kleinlein für einen Vorwand. Bisher wären im Geschäftsmodell des Run-Off keinerlei Kostengewinne im Interesse der Verbraucher eingetreten. Im Fall der Generali-Bestände wäre dieses Argument auch absurd – schließlich ist der Generali-Konzern erheblich größer als Viridium und deshalb in der Lage, eine wesentlich effizientere und kostengünstigere Verwaltung zu realisieren.

BaFin bevorzugt Versicherer?

Das letztlich noch die BaFin dem Verkauf zustimmen muss, sorgt beim BdV auch nicht gerade für Hoffnung. Kleinlein befürchtet vielmehr, dass die Bundesbehörde eher im Sinne der Versicherer entscheiden wird. Der BdV hat in der Vergangenheit eher den Eindruck gewonnen, dass bei der BaFin eher die Interessen der Versicherer gegenüber dem Verbraucherschutz in Vordergrund stehen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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