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Aus für den Versicherungskäse 2018

Aus für den Versicherungskäse 2018

Rückzug eines umstrittenen Versicherungsproduktes: Die Schüler-Zusatzversicherung, die an Schulen Baden-Württembergs von Lehrern an Schüler vermittelt wurden, gibt es bald nicht mehr. Das zuständige Kultusministerium lässt alle Gruppenverträge auslaufen.

Der „Versicherungskäse des Jahres“ 2018 wurde auch von Verbraucherschützern erheblich kritisiert.

Zusatzversicherung „überflüssig“ und „nutzlos“?

Die umstrittene Zusatzversicherung in Baden-Württemberg wird momentan noch vom Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verband (BGV) sowie der Württembergischen Gemeinde-Versicherung a.G. (WGV) angeboten. Vertrieben wurden die Policen auf allen Schulen des Landes. Die nach Meinung von Verbraucherschützern „überflüssige“ und „nutzlose“ Versicherung wurde von Lehrern vermittelt. Basis war bisher ein Gruppenversicherungsvertrag.

Missverständnisse vermeiden

Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat nun auch die Einwände der Verbraucherschützer reagiert. Um „grundsätzlichen Missverständnissen“ im neuen Schuljahr zu vermeiden, wird da Land nun die Vereinbarung über den Gruppenversicherungsvertrag zum Schuljahr 2019/2020 auslaufen lassen.

Falscher Anschein erweckt

Kultusministerin Susanne Eisenmann betonte, dass jeweils zum Schuljahresbeginn explizit darauf hingewiesen wurde, dass dieses Versicherungsangebot freiwillig sei. Dennoch habe es zahlreiche „kritische Rückmeldungen“ gegeben, da offensichtlich der Eindruck entstanden ist, dass dieser Versicherungsabschluss verbindlich sei. Außerdem wurde der Anschein erweckt, die Werbeneutralität der Schulen könnte verletzt werden.

Nicht Aufgabe des Landes

1998 wurde eine gesonderte Verwaltungsvorschrift erlassen, die diesen Eindruck eigentlich ausschließen sollte. Da dennoch Missverständnisse und Verdachtsmomente durch diesen Vertrieb entstehen, würde der Rückzug nunmehr „ordnungspolitische Klarheit“ schaffen. Die Ministerin dankte ausdrücklich den beteiligten Versicherern und betonte, dass ausschließlich die Erziehungsberechtigten entscheiden müssten, ob ihr Nachwuchs einen ergänzenden Versicherungsschutz benötige. Im Übrigen ist es nicht Aufgabe des Landes und seiner Lehrkräfte, attraktive und passgenaue Ergänzungen des gesetzlichen Versicherungsschutzes anzubieten – das wäre Aufgabe des Versicherungsmarktes.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

1 Comment

  1. Demnach vermitteln Lehrer nun noch ein weiteres Jahr völligen Unsinn, der umgehend abgeschafft werden sollte. Aus meiner Tätigkeit als freier Versicherungsmakler weiß wie schwach es oft um die Vorbildung der Lehrerschaft in Punkto Versicherung bestellt ist. Daher kann man sich auch vorstellen wie die Vermittlung abläuft.

    Abgesehen davon widerspricht sich das Kultusministerium seit Jahren selbst, dankt dann noch den Versicherungen, die über viele, viele Jahre Millionen (zukünftiger) Kunden zum Nulltarif zugespielt bekommen haben.

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