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Auch Gutachten werden digital

Auch Gutachten werden digital

Ein britisches Startup hat eine selbstlernende Software vorgestellt, die in Zukunft die Arbeit von Kfz-Sachverständigen übernehmen soll. So können künftig Schäden wesentlich schneller kalkuliert und reguliert werden.

Die Anbieter selbst glauben jedoch nicht, dass diese Software menschliche Gutachten ersetzen.

Schadenanalyse durch KI

Die Software des britischen Unternehmens Tractable verspricht, Schadenaufnahme und Kostenvoranschlag innerhalb von 30 Sekunden zu realisieren. Dazu werden nur Fotos der beschädigten Fahrzeuge benötigt – den Rest übernimmt die künstliche Intelligenz. Die automatisierte Begutachtung funktioniert dabei unabhängig der jeweiligen Aufnahmeperspektive und Lichtverhältnisse.

Schnellere Schadenaufnahme und Gutachten

Die Allianz bietet in Österreich mit der „Allianz Schaden Express App“ bereits ihren Kunden eine digitalisierte Schadenaufnahme an. Dort werden die Fotos der Fahrzeugschäden auf ein computeranimiertes 3-D-Modell übertragen und erhält vom Versicherer innerhalb einer Stunde eine Rückmeldung. So kann eine Reparaturfreigabe noch am Unfalltag ausgesprochen werden.

Versicherungsschäden nehmen zu

Tractable-Verkaufschef Adrian Cohen ist überzeugt, dass überall dort, wo ein Mensch aufgrund von Fotos Entscheidungen treffen kann, dazu auch ein Computer in der Lage ist. Alleinige Entscheidungen der künstlichen Intelligenz sind derzeit aber nicht vorgesehen. Alle Analysen werden noch von den Sachbearbeitern der Schadenabteilungen überprüft und autorisiert. In Zukunft könnte das jedoch anders aussehen. Fachleute gehen davon aus, dass die Versicherungsschäden im Kfz-Bereich in den nächsten Jahren zunehmen und 2018 die 2,6 Millionenmarke überschreiten wird.

Digitale Unterstützung von Gutachtern

Der Großteil aller Kfz-Versicherungsschäden sind als Blechschäden Routinefälle für die Schadensabteilungen. Denkbar ist, dass die Software bei diesen Routinen hilft und Sachbearbeiter entlastet werden, um sich auf kompliziertere Fälle zu konzentrieren. Tractable konzentriert sich nach eigener Aussage in Zukunft darauf, die künstliche Intelligenz ihrer Software weiter zu entwickeln und weitere Anwendungsbereiche zu finden. Bereits geplant ist die Dokumentation und Begutachtung von Wasserschäden im Bereich der Gebäudeversicherungen.

In absehbarer Zukunft ist außerdem denkbar, in Kombination mit „smart contracts“ einen kompletten Bagatellschaden innerhalb weniger Minuten komplett zu regulieren. Der Versicherte freut sich – und die Versicherer sparen Geld durch den kostengünstigen Ersatz menschlicher Arbeit.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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