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Angst vor hartem Brexit

Angst vor hartem Brexit

Ende März 2019 ist es soweit: Großbritannien wird endgültig die Europäische Union verlassen. Und wenn sich dann keine neue Lösung findet, wird es zu einem „harten“ Brexit kommen. Werden sich die Beteiligten dann nicht über Abkommen und Übergänge einigen, kann ein ganzes Meer voller Verträge ungültig werden.

Dazu gehören dann auch bis zu 36 Millionen verlorener Versicherungsverträge.

Zukunft hunderttaussender Policen unklar

Wie DIE WELT berichtet, fürchten Finanzexperten schmerzhafte Szenarien. Denn mit dem Brexit und dem damit verbundenen Ausstieg aus dem europäischen Binnenmarkt verlieren britische Finanzunternehmen ihre Zulassungen, künftig würde ihnen verwehrt werden, in EU-Staaten ihre Produkte zu vertreiben. Betroffen wären auch zahlreiche Versicherungsprodukte. Laut einer Analyse von TheCityUK, einer Interessenvertretung britischer Finanzdienstleister, wären davon auch Hunderttausende Policen zwischen Deutschland und Großbritannien betroffen.

Gefährliche Vertragskontinuität

Miles Celic, Geschäftsführer von TheCityUK, warnt vor den Risiken. Doch ohne praktikable Lösungen könnten Millionen Menschen plötzlich, von heute auf morgen, ohne Sicherheitsnetz dastehen. Die Lösung eines EU-Standortes, nach denen viele britische Versicherer und Banken derzeit suchen, hilft dabei jedoch nur, einen weiteren Vertrieb veränderter Produkte fortzusetzen. Die Vertragskontinuität bestehender Verträge lässt sich damit nicht durchbrechen. Der einzige praktikable Lösungsweg bisher sei, betroffene Verträge in einen neuen Rechtsraum zu übertragen – was aufwendig und teuer ist, außerdem bis zu 18 Monate benötigt.

Bestandsschutz dringend benötigt

Eine weitere Möglichkeit sei die Einräumung eines Bestandsschutzes, um die betroffenen Verträge – zeitlich befristet oder aber bis zur Fälligkeit – unter Rechtsschutz zu stellen. Ein unpolitisch-technisches Problem, welches auch nach einer „unpolitisch-technischen“ Lösung verlange und keinesfalls zu den politischen Brexit-Verhandlungen gehört, so Celic. Jedoch „die Frage der vertraglichen Kontinuität nach dem Brexit zu ignorieren, würde für die Finanzen von Kunden in ganz Europa ein gefährliches Spiel mit dem Feuer bedeuten“, so Miles Celic weiter.

GDV sieht bis Ende 2020 Rechtssicherheit

Die deutschen Versicherer ließen über ihren Gesamtverband GDV ebenfalls Besorgnis über den Brexit verlauten. Allerdings würde die – aktuell jedoch noch nicht rechtskräftige – Übergangsphase für betroffene Unternehmen bis Ende 2020 Rechtssicherheit schaffen. Auch darüber hinaus würde weiterhin Zeit zur Verfügung stehen, die Geschäftsbetriebe an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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