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Abschlussprovisionen niedriger als ursprünglich geschätzt

Abschlussprovisionen niedriger, als ursprünglich geschätzt

Das Bundesfinanzministerium räumte jüngst ein, dass die vertriebliche Vergütung im Bereich der Lebensversicherung deutlich niedriger liegt, als zuvor behauptet.

Die durchschnittlichen Vergütungen sind niedriger, als die umstrittenen Referenzzahlen des Jahres 2017, die den Entwurf zum Provisionsdeckel begründeten.

Deutlich geringer als im Vorjahr

Anlässlich der Kleinen Anfrage einiger Bundestagsabgeordneten sah sich das Bundesfinanzministerium zerknirscht einräumen, dass die Vergütungen im Lebensversicherungsvertrieb 2018 deutlich geringer ausgefallen sind, als noch vor rund 12 Monaten zuvor behauptet wurde. Die Werte von 2017 begründeten nachdrücklich den vorgelegten Referentenentwurf zum umstrittenen Provisionsdeckel.

Utopische Annahmen

Die FDP-Bundestagsfraktion kritisierte im Mai 2019 bereits, dass das Bundesfinanzministerium die erhobenen Mindest- und Maximalwerte der einzelnen Versicherer ergänzt hatte, was die tatsächlichen Zahlen erheblich verfälschte und zu fragwürdigen und falschen Eindrücken führte. Demnach streichen Mehrfachvertreter beispielsweise pro Abschluss bis zu 107,6 Promille ein, was bereits Branchenfremde verwundern müsste.

Keine Differenzierung

Tatsächlich kam nach entsprechenden Nachfrage heraus, dass die BaFin zusätzlich zu den erhobenen Abschlussprovisionen auch die laufenden Bestandsprovisionen zu Nominalwerten hinzurechnete. Außerdem wurden die Daten von Lebensversicherern erhoben, ohne nach Geschäftsmodell zu differenzieren.

Mehrfachvertreter bleibt teuerster Vertriebskanal

Nach entsprechender Kritik und erneuter Nachfrage durch die FDP wurden nun die neuen Zahlen für das Neugeschäft 2018 öffentlich – die durchschnittlich etwa um 14 Prozent niedriger ausfallen, als zuvor. So bleibt der Vertriebskanal durch Mehrfachvertreter immer noch der teuerste, liegt nun aber bei 44,6 Prozent. Auch die weiteren Vertriebskanäle liegen im Schnitt unter den Obergrenzen, die von der Bundesregierung angestrebt werden.

Kein Gesetz für Exoten

Das Bundesfinanzministerium betont zwar, dass „einzelne Vermittler“ durchaus über 70 Promille einstreichen. Experten kritisieren jedoch, dass für diese Minderheit kein regulatorisches Instrument wie der geplante Provisionsdeckel erforderlich ist – hier sollte bereits eine Anfrage der Aufsichtsbehörden an die verantwortlichen Versicherer ausreichen – mit einem deutlichen Hinweis auf Interpretation § 48a VAG.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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