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Mehrfachversicherung führt zu Versicherungsverlust

Mehrfachversicherung führt zu Versicherungsverlust

„Sicher ist sicher“ denken sich manche Versicherte – und schließen gleich zwei Versicherungen für dieselbe Gefahr ab. Doch dadurch kann der gesamte Versicherungsschutz verloren gehen.

Ein Versicherter hat immer nur Anspruch auf die angemessene Regulierung, die seinem Schaden auch tatsächlich entspricht.

Schlimmstenfalls gar nichts

Eine Mehrfachversicherung sorgt nicht für einen doppelten Versicherungsschutz, sondern im schlimmsten Fall dafür, dass der Versicherte im Schadensfall überhaupt kein Geld erhält. Handelte er aus Unwissenheit, kann er nur die Versicherung in Anspruch nehmen, die er zuerst abgeschlossen hat. Das hat jetzt das Oberlandesgericht Oldenburg festgestellt.

Weigerung nach Mehrfachversicherung

In dem zugrunde liegenden Fall ging es um einen Versicherungsnehmer, der seine Hausratversicherung aufgrund eines Brandschadens in Anspruch genommen hat. Das Versicherungsunternehmen verweigerte jedoch die Regulierung, da eine sogenannte „Mehrfachversicherung“ vorlag. Der Versicherer argumentierte, dass der Kunde bei Abschluss seiner Police vor sechs Jahren wahrheitswidrig verschwiegen hätte, bereits über eine andere Hausratversicherung aus dem Jahre 1996 zu verfügen.

Betrügerische Absicht

Der Versicherte erwiderte, keine Kenntnis über diese ältere Police gehabt zu haben. Diese hätte ursprünglich seine Frau abgeschlossen, er hätte zu diesem Zeitpunkt außerdem nur unzureichend die deutsche Sprache beherrscht. Das Gericht glaubte dem Mann jedoch nicht und ging von einer betrügerischen Absicht aus. Der Versicherte hatte nämlich bereits vier Monate nach Abschluss beiden Versicherungsunternehmen einen Wasserschaden gemeldet und entsprechend kassierte. Außerdem erhöhte er kurz darauf die Versicherungssumme dieser Police.

Mutwillen aufgrund falscher Angaben

Nur zwei Monate später kam es dann zu dem Brandschaden, der umgehend beiden Versicherungen gemeldet wurde. In der entsprechenden Schadensmeldung gab er dann an, über keine weitere Versicherung zu verfügen – was bewusst falsch war. Schließlich erfuhr der Versicherer dann durch einen Zufall über die Mehrfachversicherung seines Kunden. Bei diesem Gesamthintergrund ist laut Richter glaubhaft davon auszugehen, dass der Versicherungsnehmer in betrügerischer Absicht seinen Schaden doppelt abrechnen wollte.

Bei Betrug gibt es gar nichts

In dem Urteil des Oberlandesgerichtes Oldenburg vom 21.08.2017 (Aktenzeichen 5 U 18/17) wurde darauf hingewiesen, dass ein Versicherter grundsätzlich immer nur seinen tatsächlich entstandenen Schaden regulieren lassen kann. Auch wenn eine Mehrfachversicherung vorliegt, steht ihm nur der Betrag zu, der dem Schaden entspricht. Wurden beide Policen bewusst abgeschlossen, um mehrfach zu kassieren, sind beide Verträge unwirksam und der Versicherte bleibt auf seinem Schaden sitzen.

Der betroffene Versicherungsnehmer zog seine eingereichte Berufung bereits zurück. Ob die ältere Versicherung aufgrund dieses Urteils eigene Leistungen verweigert, ist nicht bekannt.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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