Produktiv

Gesetzliche Krankenkassen leiden unter Zulauf

Gesetzliche Krankenkassen leiden unter Zulauf

Die Anzahl der gesetzlich Versicherten nimmt immer mehr zu. Nicht zuletzt, weil immer mehr privat Versicherte zu einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Wichtige Argumente für die Befürworter einer „Bürgerversicherung“.

Dennoch droht durch diesen Zulauf und einem ungerechten Finanzausgleich der Kollaps in der gesetzlichen Gesundheitsvorsorge.

Zulauf sorgt für neuen Rekord

Doris Pfeiffer, Chefin des Krankenkassen-Spitzenverbands, sprach von einem neuen Rekordhoch. Demnach sind die gesetzlich Versicherten auf 72,7 Millionen angestiegen, soviel wie nie zuvor. Rund 129.200 vormals gesetzlich Versicherte wechselten zu einer privaten Krankenkasse, 130.200 Versicherte gingen den entgegengesetzten Weg und wechselten von einer privaten in eine gesetzliche Krankenkasse.

Kommen Insolvenzen vor einer Bürgerversicherung?

Der eher geringe Unterschied von 1.100 Versicherten der GKV wird nun politisch genutzt. Die SPD hat die Verschmelzung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung in eine sogenannte „Bürgerversicherung“ zu einer Bedingung der möglichen gemeinsamen Koalition mit der CDU gemacht. Passend dazu stehen Berichte über möglicher Insolvenzen einiger Krankenkassen. Denn trotz Milliardenpolster droht einigen Krankenkassen bereits in wenigen Jahren angeblich die Pleite. Gleich ein halbes Dutzend Krankenkassen sollen betroffen sein, Schuld daran hat angeblich das Finanzierungssystem der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Reform des Finanzausgleichs unbestimmt verschoben

Trotz hoher Beitragseinnahmen aufgrund der guten Konjunktur liegen die einzelnen Versicherungen bezüglich des Vermögens weit auseinander. In schlechteren Zeiten würde deshalb eine Abwärtsspirale drohen, da die Kassen die Beiträge dann nicht länger stabil halten können. Deshalb müsste unbedingt der Finanzausgleich zwischen den Kassen reformiert werden, der immer noch zu ungerecht praktiziert wird. So erhalten die Ortskrankenkassen wesentlich mehr Gelder aus dem Gesundheitsfonds, als zur Deckung der Kernleistungen benötigen würde – bei allen anderen Kassenarten würden hingegen Unterdeckungen unterschiedlichen Niveaus bestehen.

Weiterer Druck durch „Bürgerversicherung“

Bereits im Oktober wurde eine Reform des Finanzausgleichs vorgeschlagen – bisher ohne Erfolg. Für 2018 wurde von Regierungsseite angekündigt, ein entsprechendes Gutachten in Auftrag zu geben. Zusätzlicher Druck auf die gesetzlichen Kassen besteht durch die Diskussion um die „Bürgerversicherung“. Sollte dieser Plan schlecht realisiert werden und insbesondere ältere, kinderreiche Privatversicherte die gesetzlichen Kassen überlaufen werden, könnte das für einige gesetzliche Versicherer einen Kollaps und Bankrott bedeuten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren

Send this to a friend