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Deutsche Fintechs suchen Anschlussfinanzierer

Deutsche Fintechs suchen Anschlussfinanzierer

Die Zahl der Insurtechs, die sich auf dem deutschen Markt etablieren wollen, hat sich während der vergangenen 18 Monate mehr als verdoppelt. Allerdings wissen nur die wenigsten, wie ihr Wachstum nach dem Marktstart finanziert werden soll.

Auf diese Entwicklung weist der neue „Insurtech-Radar 2017“ hin, einer Studie von Policen Direkt in Kooperation mit der Strategieberatung Oliver Wyman.

Zahl deutscher Fintechs verdoppelt

Demnach befanden sich Mitte 2016 auf dem deutschen Markt nur wenig mehr als 50 Insurtechs. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt stieg diese Zahl auf 110 Firmen. Eine Verdoppelung innerhalb von 18 Monaten, die nach den Studienautoren auf eine wachsende Reife der Insurtechs hinweist. Viele Gründer konnten aufgrund von Marktbeobachtungen ihre Geschäftsmodelle überarbeiten und alle bisher unbesetzten Geschäftsfelder besetzen. Allerdings gibt es kaum Insurtechs, die als „FULL-STACK-CARRIER“ eigenständige Versicherungsmodelle produzieren konnten. Die Mehrheit ist immer noch als Assekuradeure tätig. Die Autoren erkennen vielmehr eine Tendenz fort von Vertriebslösungen, hin zu Betrieb und Angebot.

Erste Marktbereinigungen

Vermutlich liegt es an den hohen Hürden, eigene Versicherungslösungen zu entwickeln. Einfacher und kurzfristig lukrativer für Insurtechs ist es, sich als Makler zwischen Gesellschaften und Versicherungskunden zu etablieren oder aber als Dienstleister im Bereich Schadenbearbeitung und Underwriting für andere Vermittler und digitalen Versicherern zu agieren. Beobachtet wurden allerdings auch erste Marktbereinigungen.

Vom Vertrieb zur Dienstleistung

Anfangs führende Insurtechs wurden zum Teil, wie beispielsweise Knip, von großen IT-Unternehmen geschluckt. Um andere sei es sehr still geworden. Andere haben ihre Geschäftsmodelle neu ausgerichtet oder sind dabei. Auffällig sei auch hier, dass einige Online-Makler, die bisher eher vertrieblich orientiert waren, nunmehr betriebliche Dienstleistungen anbieten.

Kaum frisches Geld für deutsche Startups

Großes Problem der gesamten Insurtech-Branche sind Wachstumsfinanzierungen. Insbesondere fehlt vielen jungen Startups Kapital für notwendige hohe Anschlussfinanzierungen. Lediglich ein Drittel der betroffenen Startups sind zuversichtlich, innerhalb eines Jahres ihre Finanzierungsfragen zu klären. Doch die Möglichkeiten nationaler Investoren sind begrenzt, staatliche Förderungen derzeit viel zu gering. Es scheint nur noch eine zeitliche Frage zu sein, bis die ersten ausländischen Investoren zukunftsträchtige deutsche Startups übernehmen werden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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