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Ärzte warnen vor Bürgerversicherung

Ärzte warnen vor Bürgerversicherung

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach macht die Einheitskasse zur Koalitionsbedingung – Ärzte warnen nun vor den konsequenten Nebenwirkungen.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert und lehnt die Bürgerversicherung strikt ab.

Schlechte Erfahrungen europäischer Nachbarn

Der Präsident der Bundesärztekammer Montgomery warnt vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft durch die geplante Bürgerversicherung. „Wer die Bürgerversicherung will, der startet den Turbolader in die Zwei-Klassen-Medizin“, so Frank-Ulrich Montgomery anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin. Erfahrungen in den Niederlanden und Großbritannien zeigen, dass dieses System einer Einheitskasse zu längeren Wartezeiten, Rationierungen und einer Begrenzung von Leistungskatalogen führen würde. Ein exklusiver und bevorzugter Zugang zur Gesundheitsversorgung würde dann Patienten zur Verfügung stehen, die sich als Selbstzahler oder mittels teuren Zusatzversicherungen Spitzenmedizin leisten könnten.

Wichtiger Wettbewerb der Kassensysteme

Gerade durch die private Krankenversicherung sind Innovationen im Bereich der Diagnostik und Therapie möglich. Der Wettbewerb zwischen den privaten und gesetzlichen Kassen sorgen für einen Zugzwang der Kassen, von denen alle Patienten profitieren würden. Außerdem macht die kostendeckende Finanzierung der Privatpatienten eine hochwertigere Ausstattung von Krankenhäusern und Arztpraxen erst möglich.

Bürgerversicherung bleibt Koalitionsforderung

Kritisch äußerten sich auch andere Spitzenverbände. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), ist davon überzeugt, dass eine Bürgerversicherung nicht ein Problem der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lösen würde. Dennoch bleibt die umstrittene Bürgerversicherung Kernforderung für eine mögliche Große Koalition.

Ziel sind Mehreinnahmen

Nach einer Einführung der Bürgerversicherung würden alle gesetzlich Versicherten dort aufgenommen werden, alle bisher privat Versicherten könnten zwischen ihrer bisherigen Privatversicherung oder der Bürgerversicherung wählen. Da Arbeitgeber und Versicherte den gleichen Anteil am Versicherungsbetrag zahlen würden, wird mehr Geld für das Gesundheitssystem erwartet.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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