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Run-Off: Kunden könnten profitieren

Run-Off: Kunden könnten profitieren

ERGO und Generali planen den Run-off. Investoren profitieren von den rund zehn Millionen Lebensversicherungsverträge – doch manche Kunden fürchten sich vor Verlusten.

Dabei sind Verluste durch den Verkauf von Altpolicen keinesfalls zwingend.

Viele dieser Versicherungsverträge wurden vor langer Zeit bei vergangenen Gesellschaften, wie die Hamburg-Mannheimer oder Victoria abgeschlossen und bereits vor Jahren von den aktuellen Gesellschaften übernommen. Aber die garantierten Prozente sind heute äußerst schwer zu finanzieren. Doch Ankäufer stehen bereits Schlange.

Verbraucherschützer verunsichern Altkunden

Verbraucherschützer kritisieren die Gesellschaften und verunsichern die Kunden. Finanzinvestoren seien nur auf schnelle Renditen aus und hätten keinesfalls vor, den Versicherungskunden mehr als unbedingt nötig zu zahlen. Schließlich sind sie nicht darauf angewiesen, wie Versicherungen Überschüsse zu verteilen und damit für neue Kunden interessant zu sein. Finanzinvestoren habe schließlich kein Interesse an neuen Kunden.

Chancen auf höhere Renditen

Dabei wird natürlich vergessen, dass die Versicherer selbst überhaupt nicht mehr in der Lage sind, beim Nullzins Überschüsse zu erwirtschaften. Und an die vertraglich gebundenen Garantien sind auch die Investoren gebunden. Dafür werden die Aufkäufer alles daran setzen, die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu senken. Die Überschüsse, die dadurch entstehen, müssen auch seitens der Investoren zu 50 Prozent ausgeschüttet werden. Bei der vorhandenen Marktlage werden die Investoren alles daran setzen, Gewinne aus dem Kostenbereich zu realisieren. Chancen für annehmbare Renditen um die zehn Prozent jährlich sind dabei realistisch.

Kunden profitieren durch Gewinne aus dem Kostenbereich

Die Versicherer selbst gehen davon aus, dass sich die Run-offs für die Kunden grundsätzlich neutral, in manchen Fällen sogar positiv entwickeln. Bestandskunden sollten darauf vertrauen, dass die Bafin die Abwickler sehr genau beobachten wird. Analysten gehen davon aus, dass sich der Kaufpreis der Altbestände an den bisherigen Eigenkapitalanteilen orientieren wird. Die Aufkäufer könnten dabei bis zu 30 Prozent des Kaufpreises drücken – abzüglich der Marketing-, Vertriebs- und Verwaltungskosten könnten die Investoren bis zu acht Prozent Rendite einstreichen. Da die meisten Investoren die Aufkäufe durch Kredite finanzieren, könnten die Renditen auf die eigenen Kapitaleinsätze sogar noch höher ausfallen. Und somit kann auch die Kundenrendite wachsen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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