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AXA dünnt Schweizer Vollversicherungen aus

AXA dünnt Schweizer Vollversicherungen aus

Die AXA gibt in der Schweiz ihr Geschäft mit sogenannten Vollversicherungslösungen für die betrieblichen Versorgungswerke auf. Das Deckungsrisiko der Anlagen über 40.000 KMU-Vorsorgewerken ist dem Versicherer zu groß.

Proteste gibt es von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften.

Wichtigster Gesellschafter Schweizer Pensionskassen

Nachdem die AXA 2006 die Winterthur Versicherungen übernommen hat, wurde der französische Versicherer wichtigster Gesellschafter auf dem Markt der Pensionskassen in der Schweiz. Die jetzige Entscheidung, sich aus diesem Pensionskassenmarkt zurückzuziehen, hat deshalb für Tausende Arbeitnehmer weitreichende Folgen. Mit diesen Vollversicherungslösungen hat die AXA in der Schweiz mehr als die Hälfte aller Prämieneinnahmen erzielt, die Rede ist von rund 5,5 Milliarden Schweizer Franken (rund 4,6 Milliarden Euro).

Risiken zu den Versicherten verlagern

Geplant ist deshalb, die Vorsorgegelder der etwa 260.000 Versicherten in teilautonome Stiftungen zu verschieben und die Kunden somit zu behalten. Dabei sollen die biometrischen Risiken abgedeckt und die Verwaltungsstrukturen übernommen werden. Das Management soll weiterhin von der AXA gesteuert, aber die verbundenen Risiken zu den Versicherungsnehmern verlagert werden. Eine Strategie, vor der vor allem die Vorstände der betroffenen KMU-Vorsorgewerke warnen. Es geht dabei um enorme Vertrauensverluste.

Wandert Kapital nach Paris ab?

Bisher sind Vollversicherungslösungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine sichere Anlage. Dafür sorgt der Versicherer, der dafür großes Eigenkapital vorhalten muss und somit für Garantien im Fall von Wertschwankungen sorgt. In diesem Fall geht es um 2,5 Milliarden Franken. Diese Eigenkapitalreserven werden durch die Änderungen nun freigesetzt. Kritiker befürchten, dass dieses Kapital nicht eingesetzt wird, um mehr Wachstum zu generieren, sondern vielmehr nach Paris wandert, um Aktionäre zu befriedigen.

Für die AXA liegt das Motiv jedoch an den veränderten Bedingungen des Vollversicherungsgeschäftes. Deshalb sei es für den Versicherer schwierig, die bisherige Qualität im Sinne der Kunden beizubehalten.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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