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Beschäftigungsaufschwung geht an den Versicherungen vorbei

Beschäftigungsaufschwung geht an den Versicherungen vorbei

Die wirtschaftliche Konjunktur steigt weiter, die Beschäftigung nimmt zu – nur bei den Versicherungen ist vom Aufschwung am Arbeitsmarkt nichts zu spüren. Aktuelle AGV-Zahlen sorgen für Verunsicherung.

Der branchenweite Abwärtstrend der Beschäftigung setzt sich damit fort.

Arbeitsmarkt wird größer

Die neuesten Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (IAB) bieten positive Prognosen für Erwerbstätige und Arbeitssuchende. So wird für das laufende Jahr 2018 mit einem Anstieg um etwa 650.000 auf rund 44,94 Millionen Erwerbstätige gerechnet. Das wäre ein Plus von 100.000 Arbeitsplätzen. Die Arbeitsforscher der BfA begründen diesen Anstieg unter anderem durch die seit einem Jahrzehnt ansteigende Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter.

Größte Zuwächse im Öffentlichen Dienst und Gesundheitssektor

Auch wechseln immer mehr bisher Selbstständige, mithelfende Erwerbstätige und Beamte an Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt. Diese Gruppen werden am stärksten von den Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst. Nur noch jeder 20. Beschäftigte gehört zur Gruppe der Beamten. Hier ist seit Mitte der 1990er-Jahre ein Rückgang zu beobachten, seitdem viele öffentliche Arbeitgeber damit begonnen haben, Beamte durch Angestellte zu ersetzen. Auch die starken Privatisierungseffekte bei vormals staatlichen Unternehmen sorgen für einen Abbau der Beamtenschaft und zusätzlichen Impulsen auf dem freien Arbeitsmarkt. Die größten Zuwächse erwartet nach IAB-Prognosen der Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“.

Versicherungsbranche setzt Abwärtstrend fort

Der Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen hat sich von dem positiven Gesamttrend schon länger abgekoppelt. Für diesen Sektor prognostizieren die Arbeitsforscher mit einem Minus von 1,1 Prozent einen Rückgang um etwa 11.000 Erwerbstätige. Die IAB sieht hier einen deutlichen Kontext zu den Konsolidierungsmaßnahmen im Bankensektor sowie in der zunehmenden Digitalisierung. Der Rückgang im Vorjahr lag allerdings mit 1,5 Prozent (15.000 Arbeitsplätze) höher. Insbesondere die Versicherungsbranche setzt den jährlichen Abwärtstrend fort. Nach Untersuchungen des Arbeitgeberverbands der Versicherungs-Unternehmen in Deutschland e.V. (AGV) hat die jährliche Gesamtbeschäftigung der deutschen Assekuranz zum achten Mal in Folge abgenommen.

Digitalisierung erfordert Flexibilität

Ursächlich bleibt die Digitalisierung Streitpunkt der Branche. So fordern Arbeitnehmervertreter neue tarifliche und arbeitsrechtliche Vereinbarungen. Gewerkschaften fordern mehr Flexibilität und Deregulierung bei den Regelungen tariflicher Arbeitszeit. Die Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft (verdi) bereitet sich momentan intensiv auf neue Verhandlungsrunden zum „Zukunftstarifvertrag Digitalisierung“ sowie einem neuen Tarifvertrag „Mobiles Arbeiten“ vor – in der Hoffnung, den Abwärtstrend der Branche zu beenden.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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