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Zweifelhafte Umfragen und ihre Auftraggeber

Zweifelhafte Umfragen und ihre Auftraggeber

Laut einer Umfrage verlieren deutsche Verbraucher zunehmend Vertrauen in das Produkt Lebensversicherungen. Alleine 62 Prozent der Befragten fühlen sich angeblich getäuscht und schlecht beraten.

Wie glaubwürdig ist aber eine Studie, deren Autoren vom Negativtrend ihrer Umfrage profitieren?

Studienergebnisse feuern eigenes Geschäftsmodell an

Die Studie des LV-Rückabwicklers Facto Financial Services AG offenbart schlechte Zahlen für Versicherer. Fabian Keller, CEO der Facto Financial Services sieht die eigene Studie als Beweise, wie sehr sich die Verbraucher von den Lebensversicherern alleine gelassen fühlen. Rund zwei Drittel wissen nicht, wie auf die aktuellen Entwicklungen im LV-Bereich zu reagieren ist, etwa 30 Prozent würden ihre Policen sogar mit Verlust verkaufen. Und ausgerechnet die Studienautoren sehen sich als Anwalt der schweigenden Masse. Geschäftsmodell des Unternehmens ist nämlich ausgerechnet die kostenlose Ersteinschätzung und eventuelle Rückabwicklung von LV-Altverträgen. Ungelegen kann den Auftraggebern also dasdieses Studienergebnis nicht kommen.

Mehr Marketinggag als Marktforschung

Die Branche hegt Zweifel an der Aussagekraft dieser Untersuchung, zum Teil ist von Populismus die Rede. Überprüfen lassen sich die einzelnen Aussagen der Studienergebnisse hingegen nicht; Details der Umfrage wurden auch auf Nachfragen nicht verraten. So liegt auf der Hand, dass diese Umfrage eher den eigenen Werbeinteressen dient und weniger eine tatsächliche Marktforschung ist. Wenn eine ganze Branche in schlechtes Licht erscheint, ist es einfacher, zögerndes Klientel zu überzeugen.

Mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht

Werbewirksam wurde diese Studie von zahlreichen Medien, leider auch Fachmedien, gestreut. Darauf wurden reißerische Schlagzeilen produziert („Schock-Umfrage – Deutsche haben Vertrauen in Lebensversicherungen verloren“, BILD-Online) ohne die Quelle der Studie zu hinterfragen. Auch das Diagramm zur „repräsentativen Studie“ wurde recherchemüde, aber dankbar von einigen Redaktionen übernommen.

Zahlen widersprechen Studienergebnis

Die Branchenzahlen sprechen gegen dieses Studienergebnis. So gingen nach Schätzung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 2017 die Zahlen der abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge um 1,3 Prozent auf rund 88,1 Millionen zurück. Angesichts der Nullzinspolitik und auch sonst eher rückläufigen Renditeaussichten eine weniger pessimistische Aussicht.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

1 Kommentar

  1. Wenn man alleine dubiose und stümperhafte Vergleiche des Verbraucherschutzes in einigen Fachzeitungen beurteilt, kommen schnell mehr Beschwerden zusammen, als bei allen Beschwerden über Versicherungsberatungen. Alles aufgeblasen, aber den Medien und den Politikern, die es bei besten Bedingungen nicht schaffen allein die Rückstellungen (Defizit bei den Rückstellungen € 1,700 000 000 000,00) für die Beamtenvorsorge zu bilden. Wer selbst im Mit sitzt sollte erstmal an dessen Beseitigung arbeiten, Danach kann man immer noch über Verbesserungen eines funktionierenden Systems reden. Merke: Fast alle Skandale und Geld-und Steuervernichtungsaktionen sind über Banken-und eben nicht Versicherungsskandale entstanden. Der Finanzminister und der Verbraucherschutz sollten sich um 75% des verfügbaren Geldes auf Sparbüchern kümmern. Dort liegt es zum Schaden der Bürger, auch weil der Verbraucherschutz zu Urlaub oder schnell verfügbarem Geld rät. Zum Schaden auch für die Produktivität der Wirtschaft. Fazit: Die angeblich so seriösen, unfehlbaren Verbraucherschützer und Medien verursachen ein Altersversorgungsdefizit in gewaltigem Ausmaß. Volkswirtschaftlich eine Katastrophe und keinerlei Einsicht, trotz genügend Hinweisen. Lernfähigkeit Zero.
    Wer auch noch glaubt dass der Kunde ohne Beratung sich um seine Altersversorgung kümmert, der muss halt so Weltfremd sein wie viele Beamte. Die gegen Provisionen Amok laufen-hallo das Einkommen mit wesentlich weniger Altersversorgung als Beamte, natürlich davon ausgehend das Kraft Ihrer Tätigkeit das Volk für das Alter vorsorgt.
    Wenn nicht dann per Zwang bei einem Staat mit 1,7 Billionen Euro Defizit-siehe oben…..

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