Kolumne

Was ist ein FinTech? Da stellen wir uns mal ganz dumm….

In der Branche hat das große Gegacker über die Digitalisierung eingesetzt. Das Modewort wird aktuell zu jeder sich bietenden Gelegenheit monstranzähnlich vorangetragen. Besondere Würze gewinnt jede Diskussion, wenn sie mit dem Schlagwort Fintech (oder besser Insuretech) angereichert wird. Hier verliert so mancher Marktteilnehmer jedes sichere Urteilsvermögen. Es lohnt sich daher, die Dinge auf die Füße zu stellen, sich ordnungspolitisch Gedanken zu machen und die rechtlichen Essentials klar zu formulieren.

Insuretechs mit Maklerzulassung sind Versicherungsmakler – nicht mehr, aber ganz besonders auch nicht ein Jota weniger. Alle gesetzlichen Rahmenbedingungen gelten uneingeschränkt. Der Makler hat eine Beratungsverpflichtung und haftet aus derselben, unabhängig davon, ob er sein Geschäft mit Smartphones, mit Vergleichsprogrammen, in den sozialen Medien oder aus seiner Küche oder dem Kuhstall heraus betreibt, um es plastisch auszudrücken.

Der Versicherer, den, auch das sei noch einmal hervorgehoben, mit dem Makler, gleich welcher Farbgestaltung, keinerlei vertragliche Vereinbarung bindet, muss seinerseits Gesetze einhalten und aufsichtsrechtlichen Vorschriften genügen. Wenn er beispielsweise über Kundenbeschwerden, Nichteinlösungen, Widerrufen von Vollmachten oder stichprobenweisen Einsichtnahmen in Beratungsprotokollen feststellt, dass der Makler den Beratungsverpflichtungen nicht nachkommt, muss er die aktive Zusammenarbeit, d. h. die Entgegennahme von Neugeschäft beenden. Das gilt auch für Insuretechs.

Dabei sind die Rechte des Maklers und seines Kunden, der der Versicherungsnehmer eines Versicherers ist, unangetastet zu lassen. Insbesondere muss es dem Makler ermöglicht werden, seinen Beratungsverpflichtungen weiter nachzukommen. Das geschieht über das Instrument des Korrespondenzmaklers. In der Schaden-/Unfallversicherung wird der Versicherer allerdings solche Bestände regelmäßig kündigen, auch um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Auch diese Vorgehensweise ist auf Insuretechs problemlos anwendbar.

Jeder Makler kann sich die Versicherer aussuchen, bei denen er den Versicherungsbedarf seiner Kunden befriedigen kann oder will. Jeder Versicherer kann frei entscheiden, ob er aktiv mit einem Makler zusammenarbeiten will oder eben nicht. Es gibt hier keinerlei Verpflichtung oder gar einen Kontrahierungszwang, auch weil Versicherer und Makler nicht auf der Basis von Verträgen zusammen arbeiten dürfen. Die Courtagezusage stellt eine einseitige, jederzeit widerrufliche Willenserklärung des Versicherers dar, die nicht einmal empfangsbedürftig ist. Auch das gilt für die Insuretechs.

Klingt alles sehr banal und hat keinen Neuigkeitswert. Genau! Behandeln wir die Insuretechs also so wie alle anderen Marktteilnehmer – nach Recht und Gesetz mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns. Ohne Aufgeregtheit und ohne Panik, aber mit einer gewissen Neugier, ob sich das Geschäftsmodell durchsetzt.

seit 2001 Vorstandsmitglied und -vorsitzender der IDEAL Versicherungen verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Produktmanagement, Komposit und Rechtsschutz sowie Controlling, Personal und Risikomanagement

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