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Viel Tanz um nichts

Viel Tanz um nichts

Der Haka-Tanz gehört zu Neuseeland wie schwarzer Tee nach England. Ein deutscher Versicherer besann sich für einen Werbespot dieser neuseeländischen Tradition und provozierte damit einen Shitstorm.

Dabei sei man „mit Bedacht“ an die Sache herangegangen, wie ein Arag-Sprecher betonte. Der Clip sollte eine neue Markenbotschaft vermitteln.

Kinospot soll für neue Zielgruppe sorgen

Noch vor wenigen Tagen erklärte das Unternehmen stolz, mit der neuen Markenbotschaft unter dem Motto „Auf ins Leben“ die Arag insbesondere für die Zielgruppe der 20- bis 39-jährigen als „Lebensbegleiter und Mutmacher“ zu verankern und zu etablieren. Dafür wurde bereits 2016 die Hamburger Werbeagentur Fluent als neue Leadagentur verpflichtet, die als erste Arbeit das umstrittene Video als Kinospot produzierte.

Botschaft: Mut vor neuen Herausforderungen

In dem Spot sind Menschen auf der Straße einer Großstadt zu sehen, die alle etwas Neues beginnen: etwa einen neuen Job antreten, ein Unternehmen Gründung, sich auf das erste Kind oder eine Weltreise vorbereiten. Jeder schreit dazu seine neue Herausforderung heraus und erhalten dann von den anderen Menschen ebenso lautstarke Zustimmung – das Ganze im Stil eines neuseeländischen Haka-Tanz. Bei dem Haka handelt es sich allerdings um ein Ritual der Maori, den neuseeländischen Ureinwohnern. Ein Ritual vor Kämpfen, um den Gegner beeindruckend einzuschüchtern.

„Empört Euch!“

Im Netz regen sich jetzt manche Netzaktivisten und wenige Nutzer auf. Angeblich sogar Neuseeländer empören sich, es ist von einem „respektlosen Kulturraub“ die Rede. Tatsächlich scheint der Haka nur echten Maori vorenthalten. Der Versicherer und die Agentur, die zur Produktion des Videos sogar einen authentischen Haka-Trainer involviert haben, können die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Andere Nutzer aber auch nicht. Hätten die Produzenten die Protagonisten anstatt eines Hakas einen bayerischen Schuhplattler tanzen lassen, wäre es vermutlich zu keiner Aufregung gekommen. Andere spekulieren, ob die Arag mit diesem Clip lediglich eine kalkulierte Provokation erzielen will. Mittlerweile dürfte man sich im Düsseldorfer Arag-Tower hingegen über diese kostenlose Aufmerksamkeitsarbeit freuen – ohne die Aufregung der Empörten wäre die Kampagne vielleicht schon vergessen.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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