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Verbraucherschützer wollen an Provisionen mitverdienen

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Kürzlich warnt Verbraucherschützer Tenhagen noch vor Versicherungsmaklern. Jetzt versucht er an deren Geschäften teilzuhaben.

Herman Josef Tenhagen ist Maklern vor allem aus seiner Tätigkeit für die Zeitschrift Finanztest bekannt, für die er 15 Jahre lang als Chefredakteur tätig war. Der Linie des Verbraucherschützers blieb Tenhagen treu indem er im Oktober 2014 in die Geschäftsführung des Finanztip wechselte. Das gemeinnützige Online-Verbrauchermagazin ist eine Stiftung und erhebt den Anspruch ausschließlich dafür zu arbeiten „Verbraucher schlau zu machen und Ihnen zu helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen“.

Ein Beispiel dafür, wie diese Hilfe aussieht, präsentierte der frisch gebackene Chefredakteur des Verbrauchermagazins gleich zu Beginn seiner neuen Tätigkeit, in dem dieser vor Versicherungsmakler warnte. Wie die procontra im Oktober berichtete, riet er Kunden sich von Versicherungsberatern helfen zu lassen und schob klarstellend nach: „Nicht von einem Makler!“.

Kritisch sehen Verbraucherschützer vor allem die provisionsgestütze Beratung von Maklern, die ihr Urteil weniger objektiv ausfallen ließe. Zumindest der Finanztip scheint dieser immer wieder öffentlich von Verbraucherschützern vorgebrachten Behauptung weniger Bedeutung beizumessen. In einem an einen Maklerpool gerichtete Schreiben, das der Redaktion vorliegt, plant Finanztip „Empfehlungen hinsichtlich der Beratung zu Berufsunfähigkeitsversicherung durch Makler zu geben.“ Makler sollen in einer Ausschreibung ihre Qualifikation nachweisen und sich bewerben.

Ausschreibungsverfahren für die Qualifizierung von Versicherungsmaklern

Im Prinzip wäre die Kehrtwende zu begrüßen. Dass es hier aber nicht wirklich um einen Sinneswandel geht, sondern um konkrete Einnahmen für den Finanztip, wurde in einem Telefonat auf Nachfrage eingestanden. Tatsächlich sollen die so empfohlenen Makler je Empfehlung rund 80,- Euro an die Verbraucherschützer zahlen. Der Finanztip tritt damit nicht nur in die direkte Konkurrenz mit Leadsanbietern der Branche, sondern plant dadurch unmittelbar an den Provisionen, aus denen diese Leadspreise ja immerhin erwirtschaftet werden müssen,  der empfohlenen Makler zu partizipieren.

Wie man den Gegensatz überwinden will, dass man Verbrauchern einerseits vor provisionsfinanzierter Beratung warnt, während man andererseits plant sich aus der Abschöpfung eben dieser Provisionen zu refinanzieren, erscheint zweifelhaft. Als Feigenblatt hierfür soll möglicherweise das Ausschreibungsverfahren dienen, mit dem die Finanztip-Macher Erfahrung und Qualifikation filtern wollen. Die der Redaktion vorliegende Ausschreibung umfasst gerade einmal 6 Fragen an den Maklern.

18 Kommentare

  1. gekürzte Zitate aus den Refinanzierungsrichtlinien von Finanztip

    „Wenn Sie auf einen dieser Links klicken, kann es sein, dass Finanztip dafür eine Vergütung bekommt. […]
    Diese Vergütung, die Finanztip eventuell von einem Anbieter erhält, hat für Sie keine Bedeutung. Denn sie wirkt sich nicht auf den Preis aus, den Sie beim jeweiligen Anbieter bezahlen. Und sie beeinflusst NIE unsere Empfehlung [….]
    nur ein Ziel: Das Beste für Sie heraussuchen.“

    Mehr hierzu bei: http://www.finanztip.de/wie-wir-uns-finanzieren/#ixzz3M9ZWipQD

    Hört sich tatsächlich an, wie die Argumentationslinie eine Versicherungsmaklers
    und dass die Redakteure nicht erkennen, ob einem Link ein Affiliate Link ist oder nicht, entlockt mir ein Schmunzeln.

  2. guter Artikel. Es ist ja auch nicht nur das angesprochene Leads-Modell, welches kritisch zu hinterfragen ist, sondern auch in den von Finanztip publizierten Online-Artikeln werden Partnerprogramme von Versicherungsplattformen und Maklern eingebunden. Zwar behauptet Finanztip, dass die Artikel rein redaktionell ohne finanzielle Interessen aufbereitet werden – einen faden Beigeschmack erhält das ganze dann dennoch, wenn man den „ach so bösen“ Maklern letztlich durch bezahlte Affiliate-Links Kunden zuschiebt (wer jetzt denkt, dass sich ein Finanztip-Redakteur dadurch auch von finanziellen Interessen leiten lässt, der ist natürlich im absoluten Irrglauben).

  3. Wie wird aus einem „bösen Makler“ ein guter Makler?

    … ganz einfach – er kauft Leads bei Herman Josef Tenhagen.

    Kennen wir das nicht irgendwoher – sobal das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmerl springt – und alles wird gut und wir kommen in den Himmel.

    Oder in die Neuzeit umgesetzt – ziehen wir bei Pegida die Springerstiefel aus, sind wir alle wieder lieb.

  4. Ja, schön recherchiert. Am Ball bleiben!
    Es gibt wohl derzeit keinen Begriff, der so verzerrt wird wie „Verbraucherschutz“. Leider auch in der Politik so – was dieser „Verbraucherschutz“ sagt, ist die Wahrheit und alles was mit Courtage & Provision zu tun hat, gehört verdammt und ist automatisch schlechte Beratung.

  5. Liebe Kollegen, keiner von uns sollte im Glashaus sitzend mit Steinen werfen. Versicherungsmakler arbeiten im Auftrag Ihrer Kunden und erhalten dafür direkt oder indirekt vom Versicherer eine Vergütung. Also bitte, macht mal Piano! Finanztip wie auch andere Angebote im Netz muss sich der Kritik stellen. Sie kommunizieren zudem auch wie Sie sich finanzieren. Insoweit, bitte die Kirche im Dorf lassen. Wir sollten uns mit denen verbünden, die im Sinne des Verbrauchers aktiv sind – so wie wir!
    Die Thematik wie sich Finanztip finanziert ist schon seit längerem bekannt und aus meiner Sicht auch so in Ordnung wenn man den Ansprüchen an Transparenz gerecht wird.
    Eingeführt werden sollte noch eine Kommentarfunktion auf deren Homepage.

  6. Ich mache mit Verbraucherzentralen keine Geschäfte. Makler , die gut arbeiten, erhalten Empfehlungen und brauchen keine Verbraucherschützer. Übrigens geben diese Empfehlungen nur von Billiganbietern an den Kunden und nicht was der Kunde haben will. Dieses Niveau ist nicht meines

  7. Irgendwie ist es in letzter Zeit verwerflich, mit jegilcher Tätigkeit Geld zu verdienen.

    Es wird einem nichts mehr gegönnt. Aber den Tennhagen habe ich eh nicht gemocht mit seiner Besserwisserei. Schwarze Schafe gibt es leider überall.

    Schöne Weihnachten an alle.

  8. Welcher Versicherungsmakler benötigt eigentlich Leads?
    Ach ja … der, der noch „Luft“ nach oben hat, aber aktuell keine mehr zum Atmen. Sehr seriös, was FT da unterstützt!

    „Finanztip“ erklärt das Ziel: „Das Beste für den Kunden herauszusuchen“.
    Soso… ist es nicht gerade das, was den Versicherungsmakler von Berufswegen sowieso in die Wiege gelegt wird? .. die Wortwahl „das Beste“ mag unglücklich gewählt sein, denn das wünscht der Maklerkunde i. d. R. nämlich nicht. Richtiger ist: Die „individuelle Absicherung“ unter Berücksichtigung der Wünsche und Bedarfe.

    Niemals nie, kann ein Internetportal, ein Fragebogen, ein Bedingungswerk oder eine Software den optimalen Tarif finden, das kann nur ein Mensch!

  9. Liebe Redaktion,
    wir möchten gern ein paar Missverständnisse, die mit dem Artikel entstehen könnten ausräumen.

    Finanztip warnt nicht generell vor Maklern. In der Spiegel-Kolumne hat unser Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen empfohlen, beim internen PKV-Tarifwechsel Versicherungsberater zu nutzen und nicht Makler.
    Dagegen empfehlen wir beim Thema BU sehr wohl Makler. Wir betrachten jedes Thema einzeln und prüfen auf die beste und nützlichste Empfehlung aus Sicht des Verbrauchers. Diese Empfehlungen geben Redaktion und Analyse ab. Erst anschließend schaut unser Online-Marketing, ob sich die Empfehlung auch vermarkten lässt. Oft genug ist das nicht der Fall, wie ein Blick auf unsere Seiten zeigt. Empfehlungen werden gegeben, unabhängig von der Monetarisierung. Andere Darstellungen sind falsch.
    Bei einer BU handelt es sich um eine allgemein anerkannt wichtige Versicherung. Der Kunde kauft also ein konkretes und sinnvolles Produkt, für das er Beratung benötigt, über den Makler und kann dafür gerne eine Provision bezahlen, zumal diese über die Prämienhöhe transparent ist.

    1. @Saidi Sulilatu :

      ..das nennen Sie ein Missverständnis ? Versicherungsberater sind nachweißlich einer letzten Studie in keinsterweise in Punkto Beratung Krankheitskosten Vollvorsorge bzw. Zusatzvorsorge zur GKV vorzuziehen in Erfahrungwerten, Fachwissen oder Empfehmlungspolitik ! Auf schwachen Füssen steht hierzu auch die „Unbestehlichkeit durch keinerlei Verdienste“ . Fast jeder Versicherungsberater räumte ( natürlich anoym ..) in der Studie Verbindungen zu Versicherungsunternehmen ein ,die des öftern empfehlen wurden und Sie dort wie eine Honorarkraft angesehen sind !! Einige sogar nur zu zwei oder drei Unternehmen ! Bei einer KV Kultur von ca. 144 GKV und 43 PKV Versicherer reden wir hier von „Mehrfachagenten im Kleid des Beraters“ …( so ein berühmter Sprachrohr der PKV ..) auf seiner HP !

      Makler wie meine Wenigkeit ,die auf Grund ihrer jahrelangen Erfahrung und Vermittlung im PKV Bereich Beratungen mit „Langzeitwirkung“ bei Kunden und Interessenten vornehmen und das zu jeglichem Bereich der GKV /PKV finde allein schon die Empfehlung diskriminierend !

      „Bei einer B.U. handelt es sich um eine allgemein anerkannt wichtige Versicherung“ Ach ..eine PKV aus beiden Bereichen nicht ? Je mehr Sie versuchen die eigne Unabhängikeit so darstellen , entsteht immer mehr der bittere Beigeschmack des „Ne, die mag i nett!“

      Stehen Sie zu dem was geschrieben wurde und sagen Sie was Sie nicht mögen ..Ehrlichkeit zahlt sich hier mehr aus, als mir / den Kollegen erzählen zu wollen ,das Sie uns in anderen Beratungsqualitäten zu B.U. oder was auch immer , gern gesehen sind !

      Aus der Ecke der VZ / FT kam schon zu oft „Mangel an Kompetenz, Beratung der Makler “ ..“Provisionsgesteuert“ war noch das Netteste !

      Interessant ist das sich das immer weniger Kollegen das gefallen lassen ..ich spreche hier die mediale Aufmerksamkeit eines Kollegen Hellberg an ,der den vorletzten B.U. regelrecht „auseinander“ genommen hat in Punkto Unprofessionalität

      und

      ..zumal immer mehr die Frage der eignen Haftung, Beratungsprotokolle und Empfehlung sowie Vergütung der Beratungsgespräche auf Seiten der VZ in ein sagen wir mal, unüberprüften Verhältnis stehen zu dem Äußerungen der VZ gegen über Vermittlern, Beratern und Maklern , die tagtäglich haften für das was Sie tun !

      In diesem Sinne

      HG DerMakler

      1. Lieber Makler, nicht ganz klar ist mir warum Sie nicht einfach Ihren Klarnamen verwenden wenn Sie schon Transparenz und Ehrlichkeit fordern. Aber das mal außen vor gelassen, möchte ich mal kurz Ihre Worte näher beleuchtet sehen.
        Es ist richtig, dass wir uns gegen ungerechtfertigt und vor allem einseitige Artikel zu ungunsten unseres Berufes wehren.
        Wir müssen uns aber auch der berechtigten Kritik stellen. Es gibt nunmal leider eine recht hohe Anzahl x von Menschen, die als Versicherungsmakler registriert sind obwohl es mir ganz und gar unrecht ist und von denen ich weiß, dass Sie nunmal nicht sauber arbeiten – u.a. auch Mitarbeiter bestimmter Finanzvertriebe. Da passen einfach an mancher Stelle unsere Berufsbilder nicht zusammen. Es ginge auch fehl, zu behaupten, dies wären nur die üblichen (in jeder Branche zu findenden) schwarzen Schafe. Es ist mehr als das und wächst sich nur dann raus, wenn dem mit geeigneten Maßnahmen erntshaft nachgegangen wird. Der Einfluss von Versicherungen greift weit in die Vermittlerschaft ein. Wir brauchen klare Linien – auch zwischen den verschiedenen Arten der Vermittlerschaft.
        Glauben Sie etwa an Zufall, wenn Versicherungsvertreter und Versicherungsmakler so oft in einen Topf geworfen werden?
        Es ist doch nur normal, dass der Verbraucherschutz genau nach diesen Trennlinien sucht und das da die Art wie das Geld verdient wird nicht außen vor bleibt ist nun wahrlich kein Weltwunder.

  10. Sehr geehrte(r) Frau/Herr Sulilatu,
    vielen Dank für die Auflösung des Missverständnisses, aber zum „Zurückrudern“ ist es dann wohl doch zu spät!
    Das geschriebene Wort bleibt!

  11. Guten Tag Herr Sulilatu,
    danke für Ihren Kommentar! Danke finanztip! Es zeigt, dass wir und unsere Plattformen Ihnen nicht egal sind und Sie sich der Kritik stellen.
    Nach wie vor halte ich die Konzeption von Finanztip für sinnvoll und schlüssig sowie die Kritik aus meinem eigen Lager für überzogen und oft genug unangebracht.
    Selbstverständlich sind wir nicht immer einer Meinung, was aber kein Grund sein darf für sinnfreie Lästerei.
    Viele Artikel auf Ihrer Seite beruhen erkennbar auf intensiver Recherche und großer Sachkenntnis. Ich erkenne an und schätze es, dass Sie den Verbrauchern in diesem Land eine große Hilfe sind. Hier haben Sie sehr vielen Größen an diesem Markt etwas voraus!
    Die Diskussion ums Geld wird jeweils nach drei Sekunden zu einer Neiddebatte. Warum? Was soll die Zielrichtung sein? Verbraucherschutz muss professionell und nunmal auch mit (hoffentlich gut bezahlten!) Vollzeitkräften betrieben werden. In einer komplizierten Materie kann man doch nichts anderes erwarten.
    Herzliche Grüße und frohe Weihnachten wünscht
    Michael Schreiber

  12. Hallo Herr Schreiber,
    es gibt hier leider keinen Like-Button 😉 – vielen Dank.
    Unsere BU-Ausschreibung soll ein Angebot an Makler zur Zusammenarbeit in einem Bereich sein, in dem es keine wesentlichen Differenzen in der Sache gibt. Wir hoffen, dass möglichst viele Makler an der ersten Runde der Ausschreibung teilnehmen, sobald diese startet. Ein Startzeitpunkt steht derzeit noch nicht fest.

  13. Unsere Bitte an Sie: Unterstützen Sie Finanztip, indem Sie über die jeweiligen Affiliate-Links auf die Seiten der Anbieter klicken. Nur so können wir unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren.

    ….die logische Schlußfolgerung daraus wäre – wenn wir nicht darauf klicken muß er irgendwann seinen Laden schließen?

    ALSO – klicken wir doch einfach nicht mehr!!

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