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Pleite eines FinTech-Pioniers

Pleite eines FinTech-Pioniers

Die Bankenbranche befindet sich inmitten eines historischen Umbruchs. Die Internetrevolution verändert gewachsene Strukturen, monatlich fallen Tausende Jobs weg, Filialen sterben. Die Branche schrumpft, während die Gewinne wachsen.

Banken scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und sind überzeugt, den Abstand zu jungen Startups und FinTechs aufholen zu können – womit die jungen Finanzfirmen nicht gerechnet haben.

Cashboard war Pionier digitaler Vermögensverwaltung

Eine der wichtigsten Säulen europäischer FinTechs ist die automatisierte Vermögensverwaltung durch Algorithmen und Robo-Advisorn. Dabei trifft ein programmierter Algorithmus die Anlageentscheidungen und ist in der Lage, durch Analyse zahlreicher Kundendaten ein individuelles Anlagebedürfnis zu erkennen. Eines der ersten Unternehmen dieser digitalen Vermögensverwaltung war das Berliner FinTech Cashboard.

Kapital offenbar aufgezerrt

Jetzt hat Cashboard „vorläufige Insolvenz“ angemeldet, obwohl im Dezember 2016 noch eine Finanzierungsrunde in Höhe von drei Millionen Euro vermeldet wurde. Cashboard bot über eine Tochter der comdirect Kunden Tages- und Festgeld, außerdem auch ETFs und Crowdfunding-Anlagen an, was als Alleinstellungsmerkmal erschien. Entstanden ist Cashboard 2010 aus dem Online-Trading Portal Refinedinvest. In das von Stephan und Robert Henker gegründete FinTech floss seitdem viel Kapital, unter anderem auch von Risiko-Kapitalgebern wie Earlybird oder 500 Startups.

Steht FinTech-Pleitewelle bevor?

Erst 2014 konnte Cashboard von der Noah-Conference in London ein Preisgeld in Höhe von vier Millionen Euro kassieren, weitere fünf Millionen wurde von Investoren zur Verfügung gestellt. Nun, kurz vor einer weiteren Finanzierungsrunde, nun das Aus – Insider wundern sich, weshalb das Kapital nun bereits aufgebraucht sein soll und befürchten, dass vielleicht schon bald eine FinTech-Pleitewelle bevorstehen könnte – spätestens, wenn es zu einem Abschwung der deutschen Konjunktur kommt. Denn dann könnten die großen Banken massiv angreifen, weil diese über mehr Mittel verfügen, solche Abschwünge zu überleben.

Andererseits erinnert die Insolvenz von Cashboard auch etwas an die Pleite der Moomax Gmbh, die der FDP-Vorsitzende Christian Lindner mitgründete und -führte. Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung recherchierte nach vollzogener Insolvenz, dass ganz offensichtlich ein nicht unbeträchtlicher Teil der 2-Millionen-Finanzierung als Gehälter an die drei Moomax-Geschäftsführer geflossen seien.

gelernter Journalist und MM-Prod.(FH), Jahrgang 1971, seit Dezember 2015 Redaktionsmitglied der proVision.

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